Manchmal muss man ein Risiko eingehen, um das Glück zu finden

Es gibt eine Frage, bei der stocke ich immer. Was hast du eigentlich studiert? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach, denn ich habe nicht studiert. Das, was ich gerade mache, habe ich auch nicht gelernt. Denn eigentlich bin ich Chemielaborantin. In meiner Ausbildung habe ich Versuche mit Kuhexkremten durchgeführt. Später habe ich in unterschiedlichen Pharmafirmen gearbeitet und an Krebsmedikamenten geforscht. Ich bereue das in keiner Weise. Es ist Teil meiner Geschichte. Vor ein paar Jahren habe ich entschieden einen anderen Weg einzuschlagen und Sicherheiten aufzugeben. Und das als frischgebackene Mama und trotz aller Widrigkeiten.

Wie ich meine Liebe fand

Die Liebe zur Handarbeit steckte schon immer in mir. Meine Oma war Herrenscheiderin, genau wie ihr Vater. Es dürfte 10 Jahre her sein, da schenkte mir mein Freund und jetziger Mann Flo eine Nähmaschine. Seitdem ist das alles etwas eskaliert. Anfangs habe ich meine Kleidung auseinander geschnitten und neu zusammen genäht. Upcycling war damals noch kein wirkliches Thema. In der Zeit hatte ich auch angefangen, meine Projekte auf meinem kleinen Blog zu zeigen. Den Startschuss für mein Label gab es aber erst bei der Hochzeit meiner lieben Freundin Caro im Jahr 2012. Weil ich keine Tasche zu meinem Kleid und den Schuhen gefunden habe, nähte ich mir eben selbst eine Clutch. Als ich davon in meinem Blog schrieb, kamen die ersten Anfragen rein. Ich habe dann viel probiert, neue Modelle entwickelt, andere verworfen. Flo und ich haben uns an Wochenenden Zuhause eingesperrt und unsere Kreativität neben den Job ausgelebt. Später sind wir tausende Kilometer gefahren und haben Designmärkte in ganz Deutschland besucht. Mir wurde klar, das will ich machen. Als unser erstes Kind unterwegs war, reifte in mir die Entscheidung: „Ich probier’s.“

„Kind, wer soll denn jeden Tag eine Tasche bei dir kaufen?“ – Meine Mama hat es nicht böse gemeint.

Die Freiheit, das zu tun, was man für richtig hält

Ich bin also eine absolute Quereinsteigerin. Ich habe Dinge versucht, bin gescheitert und habe wieder von vorne begonnen. Der Drang, neue Wege zu gehen und zu lernen, ist ungebrochen. Eigentlich bin ich auch ganz froh, dass das Label über die letzten sieben Jahre ganz langsam gewachsen ist. So ist das Lehrgeld, das ich gezahlt habe, nie existenzbedrohend gewesen. Und doch habe ich meiner Familie einiges abverlangt. Der Schritt in die Selbstständigkeit vor vier Jahren war nicht ohne. Noch heute klingeln mir die Worte meine Mama im Ohr: „Kind, wer soll denn jeden Tag eine Tasche bei dir kaufen?“. Sie hat es nicht böse gemeint. Sie ist selbst Einzelhandelsverkäuferin im Bereich Mode und sieht täglich Berge an Müll, die die Fast Fashion Branche produziert. Es war mein Ansporn, Dinge anders zu machen. So wie ich es für richtig halte. Vielleicht ist es daher auch ganz gut, dass ich keine Ausbildung in diese Richtung gemacht habe. Vieles kann man auch lesen oder von Freundschaften lernen, die man in all den Jahren geschlossen hat.

Ich bereue den Schritt nicht einen Zentimeter, auch wenn ich jetzt mehr Verantwortung zu schultern habe. Für mich, meine Familie, meine liebe Eva, die meine allererste Angestellte ist. Es lohnt sich dem Herzen zu folgen und Dinge einfach zu tun. Einfach machen, auch wenn es nicht immer leicht ist. Für mich bedeutet das Glück.

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